© ©Mukherjee/Pupeter
Zur Liste
Projekte

Serielle Sanierung: Von einer Energieschleuder zum Effienzhaus 55

Aus einem ungedämmten Altbau mit Schimmelproblemen und einer Heizlast von 66 kW entstand durch serielle Sanierung ein Effizienhaus 55 Gebäude. Dadurch werden pro Jahr 40 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart. Die Kosten für die Sanierung waren nach Abzug der Förderung niedriger als bei einem herkömmlichen Verfahren.

Am Freitag, den 24. Juli, lud LignoAlp gemeinsam mit der Baugenossenschaft München-Schwabing eG und Energieberater Paulo Danzer von carupa GmbH zur Begehung des (fast) fertiggestellten Projekts einer seriellen Sanierung ein. Dabei wurde über die Erfahrungen aus der Bauphase und über die erzielten Ergebnisse aus energietechnischer Sicht berichtet. Dank der seriellen Sanierung mit entsprechender Förderung konnten die Arbeiten schneller und kostengünstiger durchgeführt werden als mit einer traditionellen Sanierung.

Ausgangslage war ein 1969 erbautes Bestandsgebäude in der Brunnerstraße in München, nahe des Olympiaparks, mit 15 Wohneinheiten und einer Wohnfläche von ca. 1.000 m². Das Gebäude wurde seit seiner Errichtung nur notdürftig saniert, hatte alte Fenster und teilweise Schimmelprobleme. Geheizt wurde mittels eines Gaskessels, die Heizlast des Gebäudes betrug 66 kW.

Nach Voruntersuchungen durch das Architekturbüro Regine Stoiber konnten keine Lösung für die Sanierung des Gebäudes im bewohnten Zustand gefunden werden, im Jahr 2023 wurde der Energieberater Paulo Danzer hinzugezogen. Für ihn war klar, dass sich dieses Gebäude für eine serielle Sanierung anbot, auch unter Berücksichtigung der Fördermöglichkeiten. Die Eigentümerin entschied sich für diese Methode zur seriellen Sanierung, es folgten die Detailplanung und Ausschreibung.

Das Wohngebäude eignete aufgrund seiner einfachen Bauform sehr gut für die serielle Sanierung. Das energetische Konzept sah vor, die Arbeiten in bewohntem Zustand und unter Verwendung nachwachsender Rohstoffe durchzuführen. Ziel war es, ein Effizienzhaus 55 zu realisieren, das neben der hochisolierten Gebäudehülle über eine neue Heizanlage und eine Photovoltaikanlage verfügt. Aufgrund von Problemen durch Wassereintritt und der Möglichkeit, die PV-Module im optimalen Winkel anzuordnen, wurde auf dem bestehenden Flachdach ein Satteldach realisiert.

Grundlage für die Planung war ein dreidimensionaler Laserscan, auf dessen Grundlage LignoAlp die detaillierte dreidimensionale Planung der neuen Gebäudehülle vornahm. Für das Dach wurden vorgefertigte Elemente gefertigt. Da der Dachboden nicht bewohnt ist, gab es dafür keine besonderen Brandschutzanforderungen und als Dämmmaterial konnte eingeblasene Zellulose verwendet werden. Die Außenwände hingegen mussten aus Brandschutzgründen mit Mineralwolle gedämmt werden, die Kellerdecke wurde mit PUR bzw. Mineralwolle gedämmt.

U-Werte:

  • Wand 0,13 W/m²K
  • Dach 0,12 W/m²K
  • Kellerdecke ca. 0,16 W/m²K

CO2-Bilanz:

  • Dach: 12 Tonnen CO2 eingelagert in 350 m² Dachfläche (Einlagerung von Kohlendioxid in Holzkonstruktion und Zellulose, Ausstoß durch Dacheindeckung)
  • Außenwände: 8,5 Tonnen CO2-Ausstoß (Einlagerung von Kohlenstoff in der Holzkonstruktion, Ausstoß durch Mineralwolle und Silikatharzputz)
  • Sockel aus Stahlbeton für Wandelemente: 5 Tonnen CO2-Ausstoß
  • Keller: 3,1 Tonnen CO2-Ausstoß durch Wärmedämmung aus PUR bzw. Mineralwolle

Ideal für den Energieberater war die dreidimensionale Planung von LignoAlp: Die Detaillösungen konnten überprüft und Wärmebrücken optimiert werden. Dadurch gelang es, einen wärmebrückenfreien Dachanschluss zu realisieren und die Wärmebrücken im Keller- und Sockelbereich zu reduzieren.

Die Heizlast des Gebäudes konnte von 66 kW auch 17,5 kW reduziert werden. Die Beheizung erfolgt nach der Sanierung durch eine Luft-Wärmepumpe. Für die neuen Heizleitungen wurden vor der Anbringung der vorgefertigten Wandelemente Schlitze in die Außenfassade gefräst. Große Bedeutung in diesem Zusammenhang hat die hohe Qualität der Außenhülle, deren Dichtheit durch eine Blower Door Test in den einzelnen Wohnungen geprüft wurde. Der Zielwert von 1,5 oder weniger wurde mit 0,7 – 0,9 deutlich übertroffen.

Die Lüftung erfolgt nach dem Umbau mit dezentralen Lüftern (Pendellüfter), die Leibungslüfter sind im Fensterrahmen integriert. Für die eigentlichen Lüftungsgeräte wurden – ähnlich wie für die Heizleitungen – vor Anbringung der neuen Fassadenelemente Kernbohrungen in die Außenwände gemacht, in die anschließen die Lüftungsgeräte gesteckt werden konnten.

Auf dem Dach befindet sich eine große Photovoltaikanlage mit 72 kWp, das heißt, es wird Strom für ca. 25 Haushalte produziert. Somit werden jedes Jahr 36 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart. Der Primärenergiebedarf des Gebäudes hat sich von 178,8 auf 23,4 kWh/(m2 a) reduziert, der Kohlendioxidausstop ist von 49 Tonnen pro Jahr auf 8,7 Tonnen gesunken, das bedeutet eine Reduzierung von 40 Tonnen CO2-Ausstoß – und das jedes Jahr.

Markus Brunn berichtete über den zeitlichen Ablauf der seriellen Sanierung. Montagebeginn der vorgefertigten Wandelemente war am 11. August 2025, am 3.9. waren die Wandelemente fertig montiert, am 16. September das Dach dicht. Am 31. Oktober war Verputz fertiggestellt, das Gerüst wurde am 19. November 2025 abgebaut.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Projekt äußerst erfolgreich abgewickelt werden konnte. Die Belastungen für die Bewohner waren nicht unerheblich, konnten dank des Verfahrens der seriellen Sanierung aber auf ein Mindestmaß reduziert werden. Dank des Laserscans, der detaillierten technischen Planung und der kontinuierlichen Absprache zwischen den beteiligten Planern und Unternehmen wurden die Arbeiten innerhalb kurzer Zeit durchgeführt. Der Energieeinsatz konnte um 90% reduziert werden und künftig werden pro Jahr 40 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden.

Die Kosten für dieses Verfahren sind höher als bei einer Sanierung mit herkömmlichen Verfahren. Dank der Ausnutzung verschiedener Fördertöpfe, sowohl für die Sanierung als auch für die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, konnte eine Förderquote von 57 % erreicht werden, somit sind die Nettokosten für die Bauherrin sogar niedriger als bei einer herkömmlichen Sanierung.

Das Projekt "Serielle Sanierung Wohngebäude Brunnerstraße 43" zeigt, wie Klimaschutz, Wohnkomfort und Bauqualität Hand in Hand gehen können, und das in kürzester Zeit. Für Fragen konnen Sie uns gerne per E-Mail an marketing@lignoalp.com kontaktieren. 

In der Galerie zeigen wir einige Bilder des Projektablaufs. 

© ©Mukherjee/Pupeter
Galerie
© ©Mukherjee/Pupeter © ©Mukherjee/Pupeter © ©Mukherjee/Pupeter